Archiv für April 2010


Gemüseerkennung

23. April 2010 - 15:24 Uhr

Ich musste heute in einer großen Einzelhandelskette an meinen letzten Cebit-Besuch denken. Auf der Cebit stand ein riesiger Monitor. Davor standen sehr viele Leute, die sich dank einer kleinen Kamera selber auf dem Monitor gesehen haben. Per Software wurden die einzelnen Gesichter erkannt und mit einem Rechteck gekennzeichnet. Zusätzlich wurde die Mimik eines jeden erfasst und ausgewertet. Das führte dazu, dass unzählige Asiaten vor dem Monitor gestanden und entweder künstlich hysterisch gelacht oder ganz wütend geguckt haben. Die Gesamtsituation war sehr schön anzuschauen. Ich hatte noch nie so viel Spaß mit Gesichtserkennung.
Ohne eine Notwendigkeit für diese technische Spielerei zu sehen, habe ich heute im Supermarkt doch sehr gestaunt, als ich meine Rispentomaten auf die Waage gelegt habe. Der Schriftzug “Erkennung läuft” war einige Sekunden zu sehen. Normalerweise muss man ja bei solchen Waagen aus Heerscharen von Knöpfen das richtige Produkt auswählen. Diese ultramoderne Touch-Screen-Superwaage hat mir eine geringe Auswahl an Gemüsesorten vorgeschlagen, um die es sich bei den Rispentomaten handeln könnte. Ich bin natürlich sofort in einen Gemüserausch verfallen und habe in dieser Abteilung alles organische Material abgewogen und eingetütet Bereit für alles zu bezahlen. Jedes Mal lag die Waage mit ihrer Erkennung richtig. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich mich mit der Waage gut verstanden. Als ich einfach meine Hand auf die Waagschale legte und durch einen leichten Druck das Gewicht erhöhte, schlug die gutmütige Stimmung allerdings schnell um. Karotten! Die Waage hat meine Finger mit Karotten verwechselt. Geht ja mal gar nicht.
Ich habe zur Strafe für diese Beleidigung natürlich sofort mein bereits abgewogenes Gemüse im ganzen Supermarkt verteilt. Kohl in Müsliregal. Karotten zwischen die Pasta und die Weintrauben zum Tiefkühlfisch.
Zudem habe ich den Trick hinter dieser Waage haarscharf erkannt. Die Handelskette will die Kunden mit dieser Hightech-Waage nur beeindrucken und dazu verführen, viel Gemüse abzuwiegen, um zu kontrollieren, ob die Waage recht behält. Dadurch kaufen die Leute einfach mehr. Hätte die Waage nicht meine Finger beleidigt, wäre ich ebenfalls auf diesen billigen Trick hereingefallen.

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Sound of Silence

12. April 2010 - 12:44 Uhr

Über Evergreens hatte ich mich ja vor ein paar Wochen schon mal ausgelassen. Da gibt es noch ein paar mehr von und so musste ich heute feststellen, dass Emiliana Torrini (italienisch klingende Isländerin, die einem mit Buschtrommeln auf die Nerven geht) auch Songs covert. Unter anderem “Sound of Silence” von Simon & Garfunkel. Die Version lässt Vertreter aus der Zeit des Originals vermutlich sofort sterben. Erstens handelt es sich bei dem Song um eine Art Gral und zweitens ist die Interpretation duch Torrini stellenweise etwas sehr künstlich geraten. Dies hindert mich aber in keinster Weise, das Video hier zu posten. Ich mag nämlich Isländerinnen, die mit ihrem Akzent Englisch sprechen. Daher:

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Nein zur 3D-Technologie in Grundschulen

9. April 2010 - 03:15 Uhr

Leute kommen heutzutage aus dem Kino und sagen Sätze wie: “Aaahhh, ich bin voll beeindruckt.” Zunehmend ist damit die Vielfalt an 3D-Effekten und weniger die Handlung des Films gemeint. Es bedarf eines kleinen Schwenks in die Vergangenheit, um dieses Phänomen zu erörtern.
Der erfahrene Leser meines Blogs erinnert sich an die Zeit vor etwa zehn Jahren, als in der Fernsehzeitschrift komische Papier-Brillen lagen. Damit sollte man das Fernsehbild in drei Dimensionen wahrnehmen können. Um das zu ermöglichen, wurde ein Film mit zwei Kameras gefilmt, die in verschiedenen Farbräumen aufgenommen haben. Die Brillen haben diese Farbräume gefiltert und dem Gehirn dann ein dreidimensionales Bild vorgegaukelt. Erniedrigt und gedemütigt wurden Leute mit Rot-Grün-Schwäche, denn genau um diese Farbräume handelte es sich dabei. Komischerweise trifft man auch heute ab und zu noch auf diese lustigen Brillen, die in meinen Augen das Resultat einer Idee eines fiesen Programmdirektors sind, der einfach nur mal wollte, dass alle Leute, die sich am Samstagabend einen bestimmten Film ansehen, bescheuert aussehen.
Die nächste Attacke in Richtung dritte Dimension war weitaus dämlicher. Es handelt sich um ganze Buchbände voller wirrer Muster, die man lange anstarren musste, bis sich eine Kontur abzeichnete, die dann wiederum ein dreidimensionales Bild ergab. Ich gehöre zu der kleinen Gruppe von Menschen, die nie über das Erkennen eines hässlichen Musters hinausgekommen ist. Ich rege mich auch noch heute darüber auf, wenn jemand neben mir ein solches Bild ansieht und dann grinsend feststellt: “Höhö, n Boot.”
Das Thema Dimensionen ist sowas von vielfältig, dass man Bücher darüber schreiben kann. Feststellen lässt sich aber knallhart: bestimmte Dinge sollten eine definierte Menge an Dimensionen nicht überschreiten.
Wenn man festhält, dass sich jeder Körper in drei Dimensionen bewegen kann und die Zeit eine weitere Dimension darstellt, lässt sich die Lage eines Körpers zu einer bestimmten Zeit durch einen Vektor der Form
v = (t, b, l, h)
darstellen. Ein Beispiel:

(0, 0, 0, 0)
(1, 0, 1, 1)
(2, 0, 2, 2)
(3, 1, 1, 3)
(4, 1, 2, 4)
(5, 1, 2, 0)

sei die Bewegungsfolge einer kleinen, niedlichen Katze in einem grob-gerasterten 90er-Jahre Nintendo-Universum mit einer räumlichen Maximalausdehnung von 4. Zum Zeitpunkt t=4 stellt die Katze fest, dass sie eigentlich gar nicht fliegen kann. Ausgehend davon, dass die Dimensionen hier in Kilometern angegeben wurden, dürfte sie den beendeten Sturz zum Zeitpunkt t=5 kaum überlebt haben. Man sagt also, Katzen sind 2D-affin, auch wenn sie immer auf allen vier Beinen landen.

Und nun zu dem, worauf ich eigentlich hinaus wollte. Im Rahmen meiner letztwöchigen Recherche bin ich auf das neue Feature von Google Books gestoßen: 3D-Bücher.
Als Johannes Gutenberg im Mittelalter feststellte, dass man Bücher auch drucken kann, hat er vermutlich weder eine rot-grüne Brille aufgehabt, wirre Muster gemalt noch mit Katzen geworfen. Ihm war völlig klar, dass das irgendwie in einer zweidimensionalen Ebene stattfinden muss. Und mangels iPad oder ähnlichem Schund hat er Papier dafür ausgewählt. Google hat anscheinend befunden, dass dieser Gedanke veraltet ist und stellt jetzt den eingescannten Bücherfundus teilweise in 3D zur Verfügung. Welche Technik kommt zum Einsatz? Natürlich wieder die gute rot-grüne Brille. Der genaue Vorteil eines dreidimensionalen Buches hat sich mir noch nicht erschlossen. Lediglich die Nachteile liegen auf der Hand. Die Frage: “Was will der Autor dem Leser zwischen den Zeilen sagen?” bringt den durchschnittlichen Schüler in Deutschland schon seit Jahren in Erklärungsnot. Was passiert, wenn man jetzt auch noch die Aussage vor und hinter den Zeilen (in der Tiefe, nicht in der Breite) deuten muss ?
Die Diskriminierung an Kindergärten dürfte im Rahmen des Kartoffeldrucks ebenfalls erheblich zunehmen. Nur noch jene Kinder, die ihre Arbeit als 3D-Kartoffeldruck bei der Kindergärtnerin abliefern, gelten als cool. Der Rest dürfte billiger Abschaum sein. Wieder einmal hat Google die Welt verändert. Fragt sich nur, ob es eine positive oder negative Veränderung ist. Ich bin jedenfalls dafür, am Boden zu bleiben und trotze dem 3D-Wahn.

Beweis dafür, dass ich nicht spinne!

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