Archiv für November 2009


Super-Cow-Powers!

30. November 2009 - 15:08 Uhr

Da behaupte mal einer, Informatiker hätten keinen Humor. Ein mir unbekanntes mysql-Passwort führte heute dazu mich mal wieder mit meinem Paket-Manager unter Ubuntu zu beschäftigen. Da ich in diesem Fall kein Freund der grafischen Oberfläche bin, sondern einfach das Terminal benutze, bin ich über Umwege auf die Spuren einer Super-Kuh geraten.
Den Paket-Manager startet man im Terminal mit dem Befehl “apt-get” und einem nachfolgenden Kommando, abhängig davon, was man vor hat. Da ich eine Übersicht über alle Befehle brauchte, weil mir mal wieder der korrekte Befehl entfallen war, benutze ich “apt-get help”. Dies führt zur Ausgabe aller verfügbaren Befehlsoptionen von apt-get. Hier ein kleiner Auszug davon.
terminal_apt-get
Zu beachten ist dabei die letzte Zeile der Ausgabe, über die ich mich schon früher gewundert hatte. Super-Kuh-Kräfte? Was soll das denn bitte sein? Ich hatte dann immer nur zur Kenntnis genommen, dass die Entwickler von “apt-get” irgendwie Kuh-affin sein müssen und es als kleinen Scherz hingenommen.
Heute musste ich feststellen, dass die Ausgabe aller Befehle, wie sie oben zu sehen ist, nicht ganz vollständig zu sein scheint. Gibt man nämlich den Befehl “apt-get moo” ein, erscheint folgendes Highlight.
apt_get_moo

Da ist sie zu sehen, die Super-Kuh. Doch irgendwie sieht sie gar nicht aus wie eine Kuh. Als ich dieses ASCII-ART Kunstwerk per Messenger weiterversandte, mutmaßte man sogar, es handle sich um ET. Eine weitere Recherche in diese Richtung führte mich dann schließlich zum Launchpad. Das ist die Plattform, bei der unter anderem Bugs in Ubuntu gemeldet und gemanaget werden. Und siehe da: Die Diskussion um das Aussehen der Super-Kuh besteht seit 2006, also versionsübergreifend. Der Bug-Report 56125 “apt-get moo doesn’t look like a cow” bietet Verbesserungsvorschläge und zu späterer Zeit auch folgende Aussage, die mich laut lachen ließ.

How on earth can I trust a group of people that can’t make an ASCII cow properly to make an entire OS?!? I’m going back to Windows.

Die Person steht wohl mehr auf Bluescreens. Kann ich verstehen. Die sind farbenfroher.

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PGP ist voll ok

24. November 2009 - 00:56 Uhr

Dieser Jubiläumsartikel, nämlich der 50. an der Zahl in diesem Blog, beschäftigt sich mit der schönsten Nebensache der Welt: Der asymmetrischen Verschlüsselung.
Die meisten Leute sind gutgläubig, was den aus und eingehenden Datenverkehr ihres Computers, wie Email- oder Messengerdaten, angeht. Nicht selten wird da gerne mal Musik oder anderes urheberrechtlich geschützes Material durch den Äther gesandt. Das diese Daten relativ leicht abzufangen und zuzuordnen sind ist leider vielen Leuten noch immer nicht bewusst. Gegen das Ausspähen von TCP/IP-Paketen kann man im Prinzip nicht viel machen, jedoch kann man sie verschlüsseln, so dass der ungewollte Empfänger nichts mehr davon lesen kann. Dazu gibt es aber eine Menge Möglichkeiten. Man kann es zum Beispiel versuchen wie Julius Cäsar vor ein paar Jahren. Einfach mal das Alphabet um vier Stellen verschieben (so wird aus einem A ein D) und dann hoffen, dass es keiner merkt. Dies ist aber unwahrscheinlich denn die Wortlängen bleiben gleich. Ebenso ist auffällig, dass Wörter, in denen ein Buchstabe unmittelbar wiederholt wird (wie das t in unmittelbar) in dieser Verschlüsselungsart ebenfalls doppelt auftreten und gleich sind.
Zwischen dem Römischen Reich und heute hatten dann noch ein paar andere Leute gute Ideen, was Verschlüsselungsalgorithmen angeht. Unter anderem sogar die Nazis, die mithilfe der Enigma ziemlich lange verschlüsselt morsen konnten. Dann kam aber Gott sei Dank Alan Turing und hat dem ein Ende bereitet.
Den fortschrittlichsten Ansatz zum Thema Verschlüsselung hatten aber Ende der 70er Jahre die Herren Ronald L. Rivest, Adi Shamir und Leonard Adleman. Sie haben den RSA-Algorithmus (Die Abkürzung entspricht den Anfangsbuchstaben der Nachnamen) erfunden, mit dem man neben der eigentlichen Verschlüsselung noch ein ganz anderes Problem lösen kann. Bei den bisher üblichen, symmetrischen Verfahren mussten zwei Personen den Schlüssel kennen um entweder zu chiffrieren oder zu dechiffrieren. Sind diese Personen zufällig unmittelbar im selben Raum und nicht gefährdet, von anderen Personen abgehört zu werden, ist die Übergabe des Schlüssels kein Problem. Man sagt oder gibt ihn einfach der anderen Person. Über weite Distanzen ist das schon schwieriger, denn wenn jemand den Schlüssel auf dem Weg abfängt, kann dieser jemand ebenfalls (de)chiffrieren und so Nachrichten lesen und schreiben bzw. modifizieren.
Jetzt kommen die drei Herren von oben zum Einsatz. Sie erfanden kurzerhand ein asymmetrisches Verschlüsselungsverfahren, bei dem der Schlüssel zum Chiffrieren nicht derselbe ist, wie der zum Dechiffrieren. Jetzt kommt ein verwirrendes Beispiel.
Person A generiert sich aus einer monströsen Zufallszahl zwei Schlüssel, nämlich einen privaten und einen öffentlichen. Diese beiden Schlüssel zusammen multipliziert ergeben wieder die Zufallszahl (das ist jetzt vereinfacht, aber anschaulicher als die Wahrheit). Nun macht Person A Bekanntschaft mit Person B und übergibt dieser per Mail ihren öffentlichen Schlüssel. Ein Mithörer klaut sich diesen Schlüssel, aber das ist allen egal. Warum sehen wir gleich.
Person B hat äußerst private Gedanken Person A gegenüber und möchte diese Gedanken Person A auch mitteilen. Sie schreibt ihre Gedanken nieder und verschlüsselt diese nun mit dem öffentlichen Schlüssel von Person A. Ab jetzt ist die Nachricht unlesbar. Nicht mal Person B kann sie noch lesen.
Person A erhält nun die verschlüsselte Nachricht von Person B, entschlüsselt sie mit dem einbehaltenen privaten Schlüssel und errötet.
Und warum war nun dieser Mithörer egal? Tja, selbst der kann ja die öffentlich verschlüsselte Nachricht mit dem öffentlichen Schlüssel nicht öffnen. Das kann nur der Besitzer des privaten Schlüssels und den hütet Person A wie einen Goldschatz.
So, das war mal wieder das etwas zu lang geratene Intro zu dem eigentlichen Highlight, über das ich berichten wollte. Ich wollte nämlich erzählen, dass man mit PGP auch ganz hervorragend seine Daten komprimieren kann. Das liegt in der Natur von PGP und funktioniert besser als jedes Archivierungsprogramm (7zip, tar, Winrar, etc.). Dazu ein kleines How-To mit der Voraussetzung, dass man sich GnuPG schon installiert und ein Schlüsselpaar erzeugt hat. Wie das geht, erfährt man auf der Seite von GnuPGP. Der Rest geht so:

Ziel ist es, meine Backup-Ordner zu schmälern. Sie nehmen insgesamt fast 28 GB Festplattenspeicher ein und das ist mir für Daten, die ich nur im Notfall brauche einfach zu viel. Es handelt sich um drei Ordner. Einen mit dem Ordnersystem dieses Blogs (blog) und dem zugehörigen MySQL-Dumps, einen mit CD-Daten, die ich für teures Geld erstanden habe und einfach gerne in Sicherheit weiß (cd) und ein weiterer Ordner mit schnöden Festplattendaten, die mich im Falle eines kompletten Crashs vor Totalverlust bewahren sollen (festplatte).
Da PGP nur Dateien verschlüsseln kann, erstelle ich mit


tar -cf blog.tar blog
tar -cf cd.tar cd
tar -cf festplatte.tar festplatte

erst mal drei Archive, die ich wie Dateien behandeln kann. Anschließend geht es mit der Verschlüsselung direkt weiter. Vorausgesetzt, man hat seinen privaten und öffentlichen Schlüssel korrekt importiert, so sollte es wie folgt funktionieren.


gpg -r Fabian --encrypt blog.tar
gpg -r Fabian --encrypt cd.tar
gpg -r Fabian --encrypt festplatte.tar

pgpfoto_2

Das Gesamtergebnis ist verblüffend. Aus den 27,5 GB großen tarballs sind drei Dateien mit einer Gesamtgröße von 21,6 GB geworden. Das entspricht einer Ersparnis von 5,9 GB bzw. fast 23 %. Ein Ordner mit Musik war vorhin nach der Verschlüsselung nur noch 8,9 MB groß. Ursprünglich hatte er eine Kapazität von knapp 100 MB. Diese Ersparnis ist mir bis jetzt immer noch ein Rätsel, funktioniert aber auch nach wiederholtem Male, was Fehler in der Beobachtung meinerseits. ausschließt. Die technische Funktionsweise dieser Kompression wäre sicher interessant zu verstehen.
Das ganze Prozedere hat natürlich trotzdem einen entscheidenden Nachteil. Es dauert. Wenn man größere Datenmengen verschlüsselt, lernt man bald die Grenzen seines Rechners kennen. Die Errechnung der obigen drei Ordner hat fast eine Stunde gedauert und so langsam ist mein Rechner eigentlich nicht.

Jedenfalls finde ich die Anwendung von PGP jetzt nicht mehr so nerdy wie vorher und habe ab nun mit gutem Gewissen meinen Public Key unter “Kontakt” stehen.

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Schonzeit

19. November 2009 - 13:21 Uhr

Ich möchte mich hier aus gegebenem Anlass heute mit Laub beschäftigen. Als Laub bezeichnet man die Blätter eines Baumes, daher auch Laubbaum. Besonders im Herbst wird das Wort “Laub” aber eher ein abfälliger Begriff, der unter deutschen Kleingärtnern schnell für Furore sorgt. Zu Herbstzeiten fällt das Laub nämlich einfach von den Bäumen. Einfache Internetrecherche ergibt, dass die Bäume im Winter eine Art Schonzeit durchlaufen, Energie sparen müssen und so ihre Sonnenkollektoren, nämlich die Blätter, schlichtweg nicht mehr benötigen. Um sich ihrer zu entledigen, stoppt der Baum die Chlorophyll-Produktion, wodurch das Grün der Blätter verschwindet. Die Rot- bzw Gelbfärbung, die als inspirative Quelle für so manchen deutschen Dichter gesorgt hat, entsteht durch verbleibende Gerb- und Zuckerstoffe im Blattskelett. Besagte Dichter fanden die Blätter eher romantisch und mussten bei ihrem Anblick mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht an ihr Beet, Auffahrunfälle und schmerzende Rücken denken.
Nun bin ich heute in den Genuss gekommen, Laub harken zu müssen. Das tut mir nicht weh, jedenfalls physisch nicht. Psychisch sieht es in mir nun ganz anders aus. Warum?, frage ich mich. Das Zusammenspiel zwischen Chlorophyll-Entzug, Herbstwind und Gravitation macht einen Boden voller Laub unumgänglich. Die deutsche Gärtnermentalität entfaltet ihre zerstörerische Kraft beim Anblick des Naturschauspiels. Einzig die Kindergärten nutzen die Zeit, besonders schöne Blätter zu sammeln, sie zu pressen und dann anzumalen oder irgendwelche Abdrücke davon zu machen. Das hat bestimmt irgendeinen wichtigen pädagogischen Hintergrund oder es handelt sich bei den Betreuern der Kinder auch einfach um Kleingärtner, die eine ganz besondere Waffe gegen Laub einsetzten. Kinder!
Verwirrt blickte ich mich um, als ich die Zaunecken und teilweise auch die Straße von Gottes herbstlichem Gruß befreite. Überall um mich herum hörte ich das Schaben von Harken und Besen über Asphalt und Stein. Jeder zweite Nachbar ächzte schwerfällig durch die Hecke und über die Straße. “Ist wieder einiges runtergekommen die Nacht, wa?”, höre ich es von rechts. Ich wende mich der Stimme zu, angestrengt, nicht das Gesicht eines Kollaborateurs zu machen. Wer weiß, was in deutschen Vorgärten für eine Strafe auf Laubliebhaberei steht. “‘Ne Menge”, bestätige ich und wende mich schnell ab. Im Ausland sind Deutsche als sehr fleißig bekannt. Mit der Harke in der Hand stelle ich mir einen Amerikaner vor, der zu einem anderen sagt, wie fleißig die Deutschen seien. Die würden im Herbst sogar Laub fegen.
Nach einem gefühlten Kubikmeter der Sinnlosigkeit schweifen meine Gedanken vollends ab. Mir fällt ein, dass die Inuit mehrere Wörter für Eis haben. Sie unterscheiden Eis nach Farbe, Konsistenz und Tragfähigkeit, meine ich mal gelesen zu haben. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass die Touareg mehrere Wörter für Sand oder Wüste haben. In beiden Fällen handelt es sich um Völker, die sich ihrer Umgebung perfekt angepasst haben und im Einklang mit der Natur leben. Wenn man sich nach diesem Gedankengang vorstellt, wie abfällig der deutsche Kleingärtner das Wort “Laub” in den Mund nimmt, kann man das von ihm wohl nicht behaupten. Immerhin ist das herumliegende Laub ja ein perfekter Unterschlupf für Igel und andere Kleintiere. Die Anwesenheit dieser gewährleistet die natürliche Bekämpfung von Schädlingen, was sich spätestens im Sommer wieder im Garten bemerkbar macht. Das ignoriert man in Deutschland mit der Begründung “Das Laub kann da ja nicht einfach herumliegen”. Nee, warum auch?
Ich kann mir nicht helfen, aber wenn ich jetzt Nachbarn sehe, die in ihrem Beet das Laub entfernen, in Säcke stopfen und dann ein paar Kilometer weit wegfahren um es auf einen noch größeren Laubhaufen zu kippen (hat man das Klatschen meiner Hand auf der Stirn gerade gehört?), muss ich zwangsläufig an Touareg denken, die mit einem Kehrblech die Wüste entsanden. “Liegt wieder einiges rum, wa?” fragt ein hochgewachsener, kriegsbemalter Touareg seinen Zeltnachbarn. “Ja, aber das kann hier ja nicht einfach so rumliegen”, antwortet dieser.
Die Assoziation des kollektiven Eisschmelzens unter Inuit überlasse ich kopfschüttelnd meinem treuen Leser.

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Ruhe in Frieden, SL-6180-SSV

18. November 2009 - 15:14 Uhr

Zuerst ging nur das Hochscrollen mit deinem schönen, leuchtenden, blauen Mausrad nicht mehr. Zum bitteren Ende ging es auch nicht mehr abwärts. Wir haben zwei schöne Jahre miteinander verbracht, aber nun ist es Zeit sich zu verabschieden.

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Es wird Stille sein und Leere.
Es wird Trauer sein und Schmerz.

Die Kommentarfunktion ist in diesem Artikel als Kondolenzbuch zu verstehen.

Statt Karten werden Spenden für eine neue SL-6180-SSV gesammelt:

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Übers Bloggen bloggen

13. November 2009 - 19:11 Uhr

… ist ja mal voll lame, wie ich finde. Jetzt muss ich hier aber doch noch mal berichten, wie ich gerade ein WordPress-Update gemacht habe. Sonst eher ein vorsichtiger Mensch, habe ich diesmal (unvernünftigerweise) alles ohne Backup gemacht, da es das letzte Mal, vor etwa zwei Wochen, so genial mit der Auto-Update-Funktion funktioniert hat. Dieses Mal sah alles genauso aus wie letztes Mal.

update
Bei “Datenbank aktualisieren” blieb WordPress damals schon einfach stehen, daher dachte ich, dass das normal ist. Ein Klick auf “Blog ansehen” brachte Ernüchterung. Folgender Satz substituierte meine gedanklichen Ergüsse:

Briefly unavailable for scheduled maintenance. Check back in a minute

Nach dem mein Puls von 210 auf 180 gesunken war und ich wieder denken konnte, sah ich mir meinen Webspace an. Die WordPress-Datei und Ordnerstruktur kennt man ja so langsam. Ich hoffte auf änderbare Unregelmäßigkeiten. Diese fand ich auch in Form einer neuen Datei namens “.maintenance”. Erstes Google-Ergebnis brachte die (von mir gedanklich auch präferierte) Idee, diese Datei zu löschen. Gesagt, getan, und läuft. Gott sei Dank, denn das wären locker vier oder fünf Artikel gewesen, die für immer verloren gegangen wären.

Und für alle krassen Hacker: Das obige Bild stammt von dem letzten Update, so dass die Versionsnummer nicht der aktuell von mir verwendeten Versionsnummer entspricht.

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