Kategorie: Musik


Tori Amos – Unrepentant Geraldines

1. Juni 2014 - 19:56 Uhr

Krauz. Halb Frau, halb Kauz. Besser kann ich Tori Amos beim besten Willen nicht beschreiben. Den Durchbruch in den 90ern mit einer Reihe von Alben, die vom Stil her – zum Glück – überhaupt nicht in diese Zeit passten, anschließend eine lange Phase sehr schräger Machwerke, welche ich nach einiger Zeit aufgegeben habe zu verfolgen, bis heute. Für mich als Freund der “alten Sachen” kommt im vergangenen Monat überraschend Unrepentant Geraldines heraus. Und das ist eine Wucht, wie sich nach dreimaligem Anhören herausstellt. Amos Songs sind aus meiner Sicht selten so eingängig, dass man ihre Brillanz beim ersten Hören erkennt. Im aktuellen Werk sind viele dieser Songs, die man zwar gehört, anfänglich aber als unbedeutend abgestempelt hat um dann an den merkwürdigsten Momenten des Folgetags einen Ohrwurm von ihnen zu haben und überraschenderweise sogar den Text kann. Mit Ausnahme von Promise, einem wahnsinnig imposanten Duett von Tori Amos mit ihrer 13-jährigen Tochter Tash, war ich anfänglich fast enttäuscht von dem Album. Nach nicht ganz einer Woche tragen über zwei Drittel der Songs eine Favorit-Markierung im Player und ich habe meine gute alte Tori wieder.


Tori Amos – Oysters (Live in Amsterdam, 29.05.2014 // Quelle: youtube)

Zum aktuellen Release gehört eine Tour mit 80 Stationen in der ganzen Welt. Schlicht gehalten, nur Tori mit ein paar Tasteninstrumenten, so häufen sich die Videos der Konzerte im Netz. Über ihren Twitter-Account (@therealtoriamos) veröffentlicht sie nach jedem Konzert ein Foto der Setlist inklusive der Angaben, welche Tonarten für die Songs verwendet wurden. Viele der Konzerte haben einen Abschnitt, in denen die 50jährige Klassiker der Rock- und Popgeschichte covert. So finden sich in der bisherigen Liste zum Beispiel Songs von Toni Mitchell und Madonna. Ein Foto einer Setlist wäre aber langweilig und unfraulich, wenn nicht noch ein paar hohe Pumps oder riesige Nerdbrillen mit abgelichtet wären. Jedes Foto ist somit ein kleines Kunstwerk für sich.

Wieso aber Kauz? Nun, das ist leicht. Zum einen gilt Tori Amos als recht exzentrisch und eigen, was umgangssprachlich auch als kauzig bezeichnet wird. Zum anderen bin ich der festen Überzeugung, dass sie ihren Kopf ähnlich weit drehen kann, wie ein Kauz. Man kennt das aus Vogelparks oder Zoos, wenn man Kauze anguckt, diese aber in eine völlig andere Richtung schauen um dann ganz langsam ihren Kopf zu drehen und einen anzustarren mit ihren riesigen Augen. Exakt das kann man mehrfach in dem obigen Live-Video aus Amsterdam beobachten (zum Beispiel 00:35 Min.). Oysters ist ein Song, den ich auf dem Album extrem spät positiv wahrgenommen habe. Neben ihm lauten meine Anspieltipps: Trouble’s Lament, Wild Way, 16 Shades Of Blue, Maids Of Elfen-Mere, Promise und der Titelsong Unrepentant Geraldines.

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Neil Young & Crazy Horse – 12.07.2013, Köln

13. Juli 2013 - 13:38 Uhr

Alte Männer mit Gitarren werden langsam weniger auf diesem Planeten. Normalerweise bin ich kein großer Freund von irgendwelchen uralten Rock-Giganten, bis auf eine Ausnahme: Neil Young. Die Mischung zwischen genial arrangierten Songs, großer Improvisierfreude auf der Bühne und der einzigartigen Stimme hat mich schon vor 15 Jahren die ersten Young-Alben hören lassen. Vorneweg Harvest, später dann viel Greendale und zwischendrin immer Four Way Street von Crosby, Stills, Nash & Young.

Schon vor Jahren während der Greendale Tour hatte ich die Chance Neil Young in Hannover im Kuppelsaal live zu erleben. Damals ein Unplugged-Konzert, ziemlich straight auf das Greendale-Album fixiert, was als konservatives Konzeptalbum natürlich wenig Spielraum für die Abfolge der Songs lässt, jedoch durch Young großartig in Szene gesetzt wurde. Damals war auch die Atmosphäre eine ganz besondere, denn in den Kuppelsaal passen nicht sonderlich viele Zuschauer, so dass es fast ein Wohnzimmerkonzert war.

Gestern war ich in Köln in der Lanxess Arena um Neil Young mit Crazy Horse live zu sehen. Von Wohnzimmer-Atmosphäre kann in der ehemaligen Kölnarena nun wirklich keine Rede sein. Ich hab immer noch keine genaue Besucherzahl. Ausverkauft scheint das Konzert nicht gewesen zu sein, zumindest habe ich noch freie Plätze entdecken können. An die 10.000* Menschen werden aber da gewesen sein.

Auch wenn ich nur wenige Songs des aktuellen Albums Psychedelic Pill wirklich gut finde, hat sich der Besuch gelohnt. Eine großartige, bisweilen auch ein wenig verwirrende Show wurde geboten. Den Sound darf man guten Gewissens als Brett bezeichnen. Man hat ja schon diverse Konzerte von Rockbands gesehen, aber eine solch wuchtige Distortion habe ich selten erlebt. Jahrelange Erfahrung und Experimentierfreude dürften zu solchen Ergebnissen führen, denn was die Penibilität beim Einsatz seines Equipments angeht, weiß auch der Wikipedia-Artikel über Neil Young zu berichten. Die dort erwähnte Old Black hatte er übrigens gestern ebenfalls dabei.

Leider gibt es den Morgen danach noch keine ernstzunehmenden Ergebnisse auf Youtube, so dass ich beim hier verlinkten Video auf Material aus Paris vor wenigen Wochen zurückgreifen muss. Erstaunlicherweise sind Kleidung und Arrangement exakt (!) gleich. Diese Tour scheint also – vielleicht auch altersbedingt (der Mann ist 67) – ziemlich durchchoreographiert zu sein.

In diesem Sinne: Rust never sleeps!

* Nachtrag: Laut der Westdeutschen Zeitung handelte es sich um 13.000 Zuschauer (Quelle)

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György Ligeti – Le Grand Macabre

10. März 2013 - 15:25 Uhr

Man wird ja gesitteter mit der Zeit und dementsprechend habe ich mich gestern dazu entschlossen eine Oper im Abendprogramm von 3sat zu sehen. Als opernaffin würde ich mich sowieso bezeichnen. Ich mag die Stimmung meistens und wenn gute Arien enthalten sind, ist das oft eine runde Sache. Von der Tiefe der Story sehe ich jetzt mal ab.

Nun erwartet man ja nicht zwingend immer was Klassisches sondern ist auch für moderne Opern offen, wobei die erfahrungsgemäß meist anstrengender sind als klassische. So auch gestern, wobei ich differenzieren muss: Anstrengend war es eigentlich nicht, ich hab nämlich ziemlich oft gelacht. Es handelte sich um Le Grande Macabre von György Ligeti.


Quelle: youtube (Direktlink)

Die Handlung ist zwar recht simpel, will ich hier aber gar nicht vorgreifen, zumal auf der deutschen Wikipedia eine ziemlich gute Zusammenfassung existiert. Alles in allem versucht Nekrotzar das Ende der Welt zu verkünden, scheitert aber aufgrund von maßlosem Alkoholkonsum.

Ich habe die Fassung gesehen, die auch oben im Video gezeigt wird. Eine Aufnahme aus Barcelona von 2011. Das Bühnenbild ist beeindruckend. Die Hintergrundfigur, die auch im Video zu sehen ist, ist vollständig drehbar und wird immer wieder – teilweise ziemlich vulgär – in die Handlung eingebunden.

Bester Charakter. oder zumindest aus meiner Sicht am beeindruckendsten gespielt/gesungen – war der Chef der geheimen politischen Polizei, gespielt von Barabara Brannigan. Leider taucht sie in dem Teaser oben nicht auf und andere Videos von exakt dieser Inszenierung habe ich nicht gefunden.

Klare Empfehlung: Anschauen!

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Das Stalker-Konglomerat

11. Februar 2013 - 13:23 Uhr

Ich liebe deine Augen
Du webst das wunderbar flammende Spiel
Wenn du sie plötzlich erhebst
Und ein kleiner Blitz sticht ins Ziel
Ach, wüsste ich, was du erträgst
Ein noch stärkerer Zauberguß
Sind niedergeschlagene Augen
Denn im leidenschaftlichen Kuss
Und durch gesenkte Wimpern
Saugen sich Feuer
Aus düster vergangenem Fluss

Arseni Tarkowski

Jetzt rastet er aus, denkt ihr euch. Stimmt aber nicht. Das oben zu lesende Gedicht ist das Resultat einer langen Suche, die ich gestern beendet habe. Klingt jetzt zugegebenermaßen etwas dramatischer als es ist, denn eigentlich habe ich lediglich endlich mal einen Film zuende gesehen von dem ich mir schon lange vorgenommen hatte ihn zu sehen.
Es handelt sich um Stalker (1979) von Andrej Tarkowski und man sagt, es sei einer der bedeutendsten Science-Fiction-Filme aus der Sowjet-Zeit.
Mit einer Lauflänge von über 2,5 Stunden und exakt null Special Effects ist das aus heutiger Sicht eventuell etwas überbewertet. Es passt aber wieder wenn man andere ältere Werke (z. B. Solaris von Stanislaw Lem) zum Vergleich heranzieht. Dort zeichnet sich die Science-Fiction meist nicht durch unglaubliche technische Spielereien oder Weltraumschlachten aus sondern viel mehr durch philosopisch-politische Ansätze. Lange Strecken der Wüstenplanet-Reihe von Frank Herbert verhalten sich da ähnlich.
Jedenfalls habe ich diesen Film nun endlich gesehen. Die Motivation dies zu tun habe ich seit etwa 2006, als Björks Volta-Album herauskam. Dot findet man den Track The Dull Flame Of Desire – ein Duett zwischen Björk und Anthony Hegarty von Anthony And The Johnsons. Der Song stach für mich sofort heraus und ist bis heute mein Lieblingssong des Albums und auch ein albumübergreifender Lieblingssong. Als ich las, dass der Text – der aus wenigen Zeilen besteht, die verschieden intoniert abwechselnd von den beiden Interpreten wiederholt werden – auf einem Gedicht aus dem Film Stalker basiert, habe ich mir selbigen umgehend bestellt.


Quelle: Youtube (Kanal bjorkdotcom)

Und dann begann das große Scheitern. Ich glaube, drei- oder gar viermal habe ich begonnen den Film zu sehen und jedes Mal bin ich ziemlich bis zur gleichen Stelle gekommen: Der Dialog nachdem die drei Hauptpersonen mit der Motordraisine in der Zone angekommen sind.
Zone? Stalker? Ja, richtig. Auch die Computerspiele STALKER – Shadows of Tschernobyl und STALKER – Call of Pripyat basieren auf diesem Film. Die Spiele finden innerhalb der Sicherheitszone um den Unglücksreaktor von Tschernobyl statt. Im Film liegt die Zone an einem nicht weiter genannten Ort und wurde auch nicht durch einen nuklearen Unfall verursacht. Die genaue Entstehung der Zone ist im Film nicht mal weiter genannt. Lediglich im Vorspann werden Vermutungen darüber angestellt, wie die Zone entstanden sein könnte. Bekannt ist, dass in der Zone übernatürliche Dinge geschehen. Im Film ist ein Stalker nicht ein Verrückter, der irgendwelchen Leuten nachstellt, sondern eine Art Ortskundiger, der Leute illegal durch die Zone führt. Diese ist nämlich militärisches Sperrgebiet. Ein Wissenschaftler und ein Schriftsteller nehmen seine Dienste in Anspruch. Beide haben als Ziel einen Raum in der Zone, von dem man behauptet, Wünsche, die in ihm ausgesprochen werden, würden anschließend wahr werden. Schlußendlich stellt sich heraus, dass keiner der beiden jemals vor hatte, einen Wunsch in diesem Raum auszusprechen. Aber ich will hier nicht spoilern.


Quelle: Youtube

Der Film ist bildgewaltig, das muss ich ihm lassen. Ich besitze eine DEFA-Kopie des Films, also jener Nachvertonung, wie sie in der DDR gezeigt wurde. Das Bildmaterial ist leider qualitativ unglaublich schlecht. Ich habe im Nachhinein youtube-Trailer gefunden, die eine wesentlich bessere Qualität aufwiesen (wie der oben auch). Wer sich also ein Exemplar für das eigene Regal beschaffen will, sollte um die Editionen der Icestorm Entertainment GmbH einen Bogen machen. Die vertreiben nämlich diese Kopien wie ich sie habe.

Gerade habe ich mir ein Buch bestellt. Es heißt Picknick am Wegesrand und welch Überraschung, es steht ebenfalls in direktem Zusammenhang mit dem Film. Oder genauer: Der Film basiert auf einem Kapitel des Buches. Wenn auch laut deutscher Wikipedia im Film von den Originalelementen des Buches nicht mehr allzu viel übrig geblieben ist, so wird das Buch auch im Vorspann des Films als Grundlage genannt.

Ich hoffe, ich konnte meine Begeisterung für die feinen Verstrickungen des Stalker-Konglomerats ein bisschen greifbar machen. Derzeit bin ich noch auf der Suche nach der kyrillischen Original-Transkription des Gedichts vom Anfang. Falls jemand Zuriff darauf hat, gerne in die Kommentare damit.

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Band-Werbung: Friday Night Score

6. Oktober 2012 - 17:27 Uhr

Als Blog-Besitzer steht man auch in der Verantwortung, Werbung für gute Nachwuchs-Bands zu machen Ganz besonders, wenn man jemanden aus der Band kennt. Friday Night Score aus Bremerhaven ist so eine solche Band.
Jetzt könnte natürlich der Anschein entstehen, ich mache die Werbung nur so wegen Vitamin B und eigentlich finde ich die Musik ja voll so lala. Ist aber eben nicht so. Ich habe mir nämlich gerade auf alle erdenklichen Downloads gegönnt UND die haben es sogar auf mein Handy/MP3-Player/Musikabspielapparatur geschafft. Die Musik macht gute Laune und hat eine angenehme Mischung zwischen Härte und Melodie. Easycore wird die Richtung genannt. Wie sowas entsteht, kann man sich sehr anschaulich im Video unten ansehen. Meine Lieblingsstelle ist, wo der Sänger so Lalala-Mimimi-Tonübungen macht um anschließend Dimmu-Borgir-ähnlich ins Mikrofon zu screamen.

Nun ist es Pflicht meiner Leser, das Album zu laden (hier) und zu hören, damit die Band in den Rock-Olymp aufsteigt. Außerdem sollten die Klickzahlen der übrigen youtube-Videos ein wenig steigen. Das wäre einfach für’s Ranking gut. Danke!

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